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Freitag, 1. April 2016

Mister Greens wunderbare Welt - Kugelwunder


Mister Greens wunderbare Welt


Fantastische Geschichten 


mit und über Mister Green



Kugelwunder!


Irgendwann war die Zeit gekommen und meine Exotensammlung stagnierte. Nach einer Pause von gefühlt einem Jahr musste ich etwas unternehmen.
Gesagt, getan. Ich sagte zu meiner Frau, 
"Wollen wir nicht mal verreisen?"
Es sollte mal eine etwas andere Reise werden und das wurde sie auch.
Der Plan war es, mit dem Fahrrad durch Santa Forta zu fahren. Nicht ganz uneigennützig meinerseits. Denn dort soll die Mangan-Nuss beheimatet sein. Und die würde sich sehr gut in meiner Sammlung machen.
Die Reise wurde zu Hause am Schreibtisch gründlich vorbereitet. Fahrräder wurden aufgerüstet und fit gemacht für einen hoffentlich aufregenden Urlaub.
Die Zeit verflog im Nu und schon war der Tag der Abfahrt gekommen. Fahrräder wurden auf das Autodach verschnürt und ab ging's. Es lagen jetzt 20 Stunden Autofahrt vor uns. Die wollten wir in zwei Etappen hinter uns lassen. Nach der Autofahrt und der Überfahrt mit der Fähre stand uns erneut eine dreistündige Autofahrt bevor. Angekommen in einem urigen, aber auch sehr abgelegenem Dorf, in dem unsere Fahrrad-Expedition in den nächsten Tagen beginnen sollte.
Nach zwei Tagen Ruhe sollte unser Fahrradurlaub beginnen.
Früh morgens wollten wir los. Ein strahlender Himmel und die Morgenfrische spornten uns an. Mir ging es natürlich hauptsächlich um meine Mangan-Nuss. Würde ich sie finden? Sie sollte nach meinen Recherchen in einem sehr abgelegenem Landstrich beheimatet sein. 
Wir machten uns auf die Reise. Tolle Landschaften, Seen, Bäume und Blütenmeere begleiteten uns auf unserer Tour. Nur die Mangan-Nuss war nirgends zu sehen. Es wurde von Tag zu Tag einsamer, aber mit der Zeit gewöhnte man sich an die Natur, die Stille und die Menschenleere.
Ein wunderbarer Sonnenaufgang und ein unvergessliches Panorama ließen den Tag verheißungsvoll beginnen. Und siehe da, nach wenigen Minuten von unserem Camp erblickte ich meinen Traum, die Mangan-Nuss.
Ihre Schoten hingen zu Hunderten im Baum. Ich pflückte mir zehn Schoten. In jeder Schote waren zwischen acht und zehn kugelförmige Nüsse. Endlich hielt ich mein "Gold" in den Händen.
Die schwarz-braunen Kugeln bestachen durch ihre Härte. Sie waren so hart, dass ich mir über ihren Transport in meinen Satteltaschen keine Gedanken machen brauchte. Am nächsten Morgen bauten wir unser kleines Zelt ab, packten alles zusammen und fuhren in Richtung Startpunkt unserer Fahrrad-Expedition. Schließlich lagen noch drei Tage Rückfahrt vor uns, bis wir das Dorf erreichen würden.
Wie es kommen musste, wurde das Wetter stündlich schlechter. Der Himmel zog immer mehr zu. Plötzlich knackte und schabte es. Panne an meinem Vorderrad. Ach du Schreck. An eine Weiterfahrt war nicht zu denken. Schließlich beschlossen wir vor Regenbeginn unser Zelt aufzubauen. Der Regen setzte ein und der Himmel versprach kein Ende des Unwetters. Regen, kaputtes Vorderrad, nicht das passende Ersatzteil, kein Handynetz und seit Tagen keine Menschenseele gesehen. Die Stimmung hielt sich in Grenzen. Am nächsten Tag keine Besserung in Sicht. Ich beschloss die Zwangspause zu nutzen und montierte mein Vorderrad aus. Oh Gott. Es war das Kugellager. Defekte Kugeln ließen das Rad nicht mehr drehen! 
Sollte das Wetter sich irgendwann bessern, wären es zu Fuß mindestens vier Tage Marsch, wenn man nicht jemanden treffen würde, der einem helfen könnte.
Es musste eine Lösung her. Stundenlang grübelte ich vor mir hin und sah den Wassertropfen zu, wie sie an der Zeltwand hinunterflossen. Sie rollten förmlich herunter. Und einer rollte an der Zeltwand herunter und tropfte auf meine Dose, in der ich meine Nüsse aufbewahrte. Der Aufprall des Tropfens löste meine Gedanken und somit mein Problem. "Ich hab es", schrie ich. "Ja, ja, ja, das ist die Lösung!" Meine Frau schaute mich erschrocken an. "Was?" "Die Nüsse!", schrie ich ihr zu, "Die Nüsse?", sagte sie, "Ja, die Nüsse!"
Ich holte mir das Vorderrad, baute es auseinander und versuchte eine Nuss an die Stelle einer der defekten Kugeln einzusetzen. Mit einem kleinem Stück Schmirgelpapier, dass ich im Reparaturset für den Reifen gefunden habe, gab ich der Nuss den letzten schliff. Äußerlich perfekt. Würden die ausgetauschten Mangan-Nüsse in der Praxis dem Gewicht standhalten? Ich baute das Vorderrad wieder ein. Wir beluden die Fahrräder und fuhren im Regen weiter. Die Mangan-Nüsse hielten stand und wir kamen unbeschadet am Zielort an. Wir erholten uns noch einige Tage und traten dann die Heimreise an.
Das sollte aber noch nicht das Ende sein.
Ich veranstaltete einen Vortrag im heimischen Kulturverein unserer Stadt und berichtete von unserer Reise und den Mangan-Nüssen. Nach dem Vortrag, bei einem Glas Sekt, sprach mich ein Herr an, der ökozertifizierte Holzfahrräder baut. Er wollte mit mir ins Geschäft kommen. Ich sollte ihm die Früchte, die ich von meinem Baum ernte verkaufen. Gesagt getan. So bekomme ich für jedes verkaufte Fahrrad eine Provision und kann somit mein Hobby finanzieren und diesen Blog werbefrei betreiben.
:)

 

Montag, 28. März 2016

Mr. Greens wunderbare Welt - Systemfehler !

Mister Greens wunderbare Welt


Fantastische Geschichten 

mit und über Mister Green

Systemfehler !

Eigentlich lief alles sehr gut. Die Pflanzen waren im Garten optimal nach ihren Bedürfnissen postiert und das Wetter war für die Exoten optimal. Auch an diesem wunderschönen Sommermorgen schlenderte ich durch meinen privaten Tropengarten, der da schon einen Bestand von ungefähr 50 Pflanzen zählte. Noch ahnte ich nicht, was mir der Tag noch bringen sollte. Also holte ich die Sonnenliege aus dem Schuppen und suchte mir einen Schattenplatz zwischen meinen Liebsten.
Die Sonne brannte, ohne einen kühlen Drink war es kaum auszuhalten. Ständiges Türenklappen und Motorenlärm machten eine unruhige Hintergrundkulisse. Doch mit einem Anruf sollte sich alles ändern.
Ich nahm ab. "Hallo, ich bin`s!" Mein Nachbar. "Was ist da auf der Straße los?" Ich ging mit dem Telefon in der Hand zum Fenster.
Ich glaubte meinen Augen kaum. Es standen fünf Reisebusse in unserer kleinen Wohnstraße. Hunderte von Personen jedes Alters liefen wirr suchend durcheinander.
"Was ist da los? Ich kümmer' mich darum!", beendete ich das Gespräch.
Ich zog mir etwas an und traute mich vorsichtig auf die Straße, um mir ein Bild von dem Geschehen zu machen. Fluchende Menschen liefen suchend durcheinander. Diskutierende Busfahrer standen neben ihren Bussen. Was war hier los?!
Ich beschloss einen Mann, der sich intensiv mit seinem Smartphone beschäftigte, anzusprechen. "Guten Tag, was ist hier denn los?", fragte ich ihn. Er wischte hektisch auf seinem Telefon herum. Bewegte seine Finger um eine Landkarte auf seinem Bildschirm größer zu machen. Leichtes Fluchen drang durch seinen geöffneten Mund. Dann blickte er hoch und erklärte mir, sie würden alle zum Tropen-Naturpark wollen. "Tropen-Naturpark?", wiederholte ich ungläubig, "Hier?" Ich war sprachlos. Tropen-Naturpark.
Jetzt ist mein Interesse an dieser kuriosen Geschichte geweckt worden. Was steckte dahinter, dass sich so viele Menschen einen Tropen-Naturpark in einer eigentlich eher langweiligen 70er-Jahre Wohnsiedlung anschauen wollten. Und wo soll dieser Park sein?
Ich beschloss, mich erstmal aus dem Trubel zu befreien und ging zurück zu meinem Haus.
Der Computer wurde sofort hochgefahren und die Recherche begann. Nach längerem Suchen öffnete ich eine Landkarte, die mir im Internet bereitgestellt wurde. Ich vergrößerte die Karte auf unsere Region. Und siehe da, ein Punkt direkt auf meinem Garten. Cursor auf den Punkt und schon ging ein Feld mit der Bemerkung "Tropen-Naturpark" auf.
Ein Tropen-Naturpark direkt in meinem Garten?
Schnell war die Telefonnummer des Betreibers der Seite herausgefunden und angerufen.
Verwundert und mit großer Erwartung, schilderte ich meine heutigen Erlebnisse dem Mitarbeiter. Verwundert nahm er mein Anliegen auf. Er versicherte mir, er würde sich nach der Prüfung bei mir melden.
Tatsächlich rief er mich mach 30 Minuten zurück. "Also, wir haben das Problem gefunden. Die Landkarte ihrer Region ist durch einen vollautomatischen Satelliten-Landschaftsscanner erstellt worden. Durch einen Systemfehler wurde bei Ihnen im Garten eine große Anzahl von Tropenpflanzen gescannt, und deshalb ein Hinweis auf einen "Tropen-Naturpark" erstellt. Warum der Scanner so etwas ausgelesen hat ist unerklärlich, gerade in Ihrer norddeutschen Region. Unsere Techniker arbeiten mit Hochdruck an diesem sehr seltenen, eigentlich noch nie dagewesenem Problem!"

Sonntag, 12. Oktober 2014

Fruit-Picker - Mr. Greens wunderbare Welt


 Mr. Greens wunderbare Welt

Fantastische Geschichten 
mit und über den wunderbaren Mr. Green

- Fruit-Picker -

 Da lag sie vor mir. Die Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut. Natürlich hatte man sich zuvor öfter beliebäugelt. Ich wurde immer unruhiger, da ich spürte, dass das Erhoffte immer näher kam. Die eine und andere zarte Liebkosung teilte ich im Vorfeld selbstverständlich schon aus. Ihre Haut war aber auch einzigartig, obwohl sie ja nicht mehr die Jüngste war; diesen Duft werde ich in meinem Leben nie mehr vergessen. Für alles gibt es einen passenden Augenblick. Und jetzt sollte er gekommen sein. Ich war in der richtigen Stimmung und sie war auch soweit. Es wurde alles sinnlich vorbereitet und hergerichtet. So einen Augenblick soll man ja mit allen Sinnen genießen.
Ich hatte die richtige Beleuchtung gewählt und trug sie auf Händen zum Ort des Geschehens. Wie sie schließlich vor mir lag, regulierte sich mein Puls. Meine Frau, die im Sessel saß und ein gutes Buch las, wusste  aus Erfahrung, sich jetzt bloß still zu verhalten. Keine Fragen - keine Kommentare.
Nun wurde die reife Frucht angeschnitten, um an die wunderbaren Kerne zu gelangen. Wie lange habe ich auf diesen Tag gewartet, damit sie endlich die richtige Reife erlangte.
Der Schnitt durch die Frucht wurde angesetzt und dann passierte das unvorstellbare...es klingelt an der Tür! Wer wagt es am Samstag Nachmittag an der Tür zu klingeln? Meine Frau reagierte prompt, um das Schlimmste zu vermeiden und huschte in Windeseile zur Tür, um sie zu öffnen! Doch ein zweites, hektisches Klingeln konnte sie schon nicht mehr verhindern. 
Meine Frau öffnet. Meine Schwiegermutter war gerade in der Gegend und wollte nur mal eben hereinschauen. Die Versuche meiner Frau sie durch Gesten zurückzuhalten und ihr zu signalisieren, dass der Moment unpassend ist, gelang ihr nicht wirklich. Ich verharrte über meiner Frucht. Sollte ich mir diesen Moment, auf den ich mich so lange gefreut, habe von meiner Schwiegermutter zerstören lassen?
Sie trat ein und sagte mit einer durchdringenden Stimme "Guuuten Taag"! Als diese Worte in meine Gehörmuschel drangen, war es als würden 1000 Nadelstiche mein Trommelfell durchstechen.
Ich erwiderte mit einem kurzen prägnanten "Dito", um bloß kein weiteres Gespräch in dieser Phase anzufachen. Meine Frau deutete die Lage blitzschnell und schottete den Zugang zum Wohnzimmer so professionell ab, als würde die Bundeskanzlerin einen öffentlichen Auftritt haben. Durch die filmreife Absperrung meiner Frau hörte ich nur noch im Unterbewusstsein die Frage "Was machst du denn da"? Mit genervter Stimme antwortete ich "Fruit-Picking". Meine zur Haustür abgedrängte Schwiegermutter hörte ich nur noch sagen "mein Gott, hat er das schon länger"?
Endlich klappte die Tür und Ruhe kehrte ein. Meine Frau schlich kommentarlos auf Ihren Sessel.Ich Versank schnell in mein angefangenes Vorhaben.

Eine Woche später. Mein Geburtstag. Es wurde um 15.00 Uhr zum Kaffee für die bucklige Verwandtschaft geladen. Pünktlich wie die Maurer, es klingelt an der Tür. Meine Schwiegermutter. Mein Blick schwenkt nach einer herzlichen Begrüßung auf Ihre Hände, in der sich mein diesjähriges Geschenk befand. Merkwürdig. Wenn man die Form des Geschenkes mit der Form der letzten Jahre vergleicht, stimmt da was nicht. Das können nicht die alljährlichen Socken sein.
Mit strahlender Sicherheit, das richtige Geschenk - ohne Rücksprache - gekauft zu haben, überreicht sie mir ihr Mitbringsel. Zögernd, mit leichtem Zweifel, ziehe ich die Schleife auf und entferne die Klebestreifen. Zum Vorschein kam ein schmaler Karton mit..... Schuheinlegesohlen aus dem Esoterikbereich. Meine Schwiegermutter bemerkte meine in Falten gelegte Stirn und meine Unsicherheit. Ihre Stimme durchbricht die Stille der Nachdenklichkeit: "Ich habe das doch letzte Woche mitbekommen, mit deinen foot-Dingsdabums, das tut bestimmt weh, so wie du da Samstag gesessen hast! "Die Sohlen bekommen deinen Füßen bestimmt gut". Mir dämmerte es. Da hat sie wohl etwas leicht falsch verstanden: fruit und foot!

Am Abend, nach dem die Gesellschaft abgefüttert war und sich aufgelöst hatte, schaute ich mir wie es so üblich ist, die Präsente noch einmal genauer an. Schließlich kam ich auch zu meinen Öko-Sohlen. Die Verpackungsbeilage wurde studiert und siehe da. 
"BioKörner-Dreipunkt-Druckmassage". Da brauchte ich nicht lange kombinieren....Biokern...Kern....! Wasserschale und Sohle schwimmen lassen!